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Hilfe für Menschen in Not

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"Was suchst du ?" - "Gott"

Miras Geschichte

Mira und Fazlo Guska, Konjic, Bosnien, 2002

Unser letzter Bosnientransport führte uns nach Konjic, südwestlich von Sarajevo. Frank Faas war zwischen Weihnachten und Neujahr schon einmal dort. Jetzt hatten wir Angelika Hartmann als Übersetzerin dabei, die seit einem Jahr als Missionarin in Zagreb lebt. Als Frank sich mit Zollbeamten und Veterinär "herumschlug", erzählte Mira ihre Geschichte:

Als der Krieg begann und die Stadt regelmäßig von den umliegenden Bergen beschossen wurde, floh Mira mit ihren zwei Kindern nach Ungarn. Fazlo, ihr Mann, konnte das Land nicht verlassen, weil er keine Papiere bekam. In Ungarn hatte sie oft schlaflose Nächte. Obwohl sie sich vor dem Krieg als Atheistin bezeichnet hatte, flehte sie in ihrer panischen Angst um ihre Angehörigen in Bosnien zu Gott, ihren Mann und ihre Eltern zu beschützen.

Nach 1 !/2 Jahren mußte Mira mit ihren Kindern ihre Bleibe verlassen und kamen in ein Flüchtlingslager nach Varazdin im Norden von Kroatien, wo sehr viele Flüchtlinge eng zusammengepfercht unterbracht waren. Mira erfuhr von der humanitären Hilfe in einem Nachbardorf. So lief Mira 4 km mit anderen Frauen nach Puscine zu Bratko Horvat, der seine neu gebaute Fabrikhalle zu einem Umschlagplatz für Hilfsgüter umfunktioniert hatte (Auch von unserer OASE wurde er regelmäßig angefahren.). Hier durften sich die Frauen Kleidung aussuchen. Aber es war ein Zerren und Raffen. Mira schämte sich und kam sich vor wie eine Zigeunerin. Sie setzte sich auf die Treppenstufen vor Bratkos Firma und hütete die Sachen der anderen. Als sie wieder ins Lager kam, fragten ihre Kinder: "Mama, was hast du mitgebracht ?" "Nichts," antwortete sie, "Aber morgen bringe ich etwas mit." So ging es mehrere Tag, aber nie konnte sie sich überwinden, sich an dem Treiben zu beteiligen. Manchmal beobachtete Bratko das Treiben der Frauen vor seinem Bürofenster.

Eines Tages saß Mira wieder auf den Treppenstufen und beobachtete das Treiben der anderen, als Bratko aus seiner Firma kam. Er fragte Mira: "Was suchst Du hier ?" Erschrocken antwortet Mira: "Boga !" (Gott). Das ist eine Redensart wie bei uns als Ausdruck des Erschreckens oder der Verlegenheit. Aber Bratko nimmt die Antwort ernst. In seinem Büro versorgt er sie mit christlicher Literatur und lädt sie zum Sonntagsgottesdienst ein. Im Kombi holt er 17 (!) Flüchtlingsfrauen ab. Im Gottesdienst sind alle vom Singen und Beten der Gemeinde zu Tränen gerührt, besonders als eine ältere Frau für sie und ihre Angehörigen im Krieg gebetet. Nach dem Gottesdienst spricht Bratko mit ihnen und Mira sagt, sie wolle mehr erfahren. So legt Bratko am Abend darauf eine Extra-Bibelstunde ein, um ihnen an Hand der Bibel einen Überblick über die Menschheitsgeschichte zu geben. Viele kommen, einige bekehrten sich - auch Mira.

Eines Tages klagt Bratko über die Unzuverlässigkeit einiger Mitarbeiter. Einer beschwert sich, daß er nur 500 DM Lohn bekommt. Mira bekommt das mit und sagt, sie würde auch für 100 DM im Monat arbeiten. Darauf sagt Bratko, sie könne am Tag darauf bei ihm anfangen. Und Mira kommt. Für sie ist es eine Erlösung aus der Sinnlosigkeit des Lagerdaseins. Sie setzt sich so sehr ein, daß Bratko ihr mehr und mehr die Verantwortung für die Verteilung der Hilfsgüter von "Moi Bliznji international" überträgt. So vergehen fast drei Jahre. Nach Kriegsende wird die Heimatstadt von Miras Mann als erste in Bosnien frei zur Rückkehr. Bratko sendet Mira dorthin, um die humanitäre Hilfe vor Ort zu organisieren und ihren Mann suchen kann.

Ihre Gebete am Anfang des Krieges werden erhört: Alle ihre Angehörigen haben den Krieg überlebt - auch ihr Mann Fazlo. Auch er, ein gebürtiger Moslem, kommt wie Mira zum lebendigen Glauben an Jesus Christus. Fazlo ist der erste, der in einem See bei Konjic getauft wird. Er ist wie die meisten in Bosnien arbeitslos und steht Mira treu zur Seite.

Weitere Leute kamen hinzu, die gläubig wurden. In einem kleinen Haus haben sie Räume gemietet, wo regelmäßig Gottesdienste und Frauentreffen stattfinden. So ist in Konjic eine kleine OASE für Menschen in Not entstanden. Mira und Fazlo versuchen durch räumliche Trennung sehr geschickt, humanitäre Hilfe nicht vom Gottesdienstbesuch abhängig zu machen. In der Öffentlichkeit und bei den Behörden hat die Arbeit einen sehr guten Ruf, auch unter den Moslimen. In der moslemischen Schule hat Mira zwei Räume zum Lagern der Hilfsgüter kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen.

Mira sagt: "Wir Christen hier in der Dunkelheit von Konjic haben die Aufgabe, als ein LICHT FÜR JESUS zu leuchten".

Angelika Hartmann und Uwe Schütz

mehr bei uns über Mira und Fazlo: e-Mail von der Bundeswehr in Bosnien

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Autor dieser Seite: Uwe Schütz

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